Lichtmess
Artikel aus dem Corriere Elbano vom 2. Februar 1950
---Intro---
Aus: Corriere Elbano: Artikel vom 2. Februar 1950

Ach ja!, sagten wir über Lichtmess, scheint die Sonne, wird ́s noch ein langer Winter sein, wenn es regnet, ist der Frühling nicht mehr weit. Ich selbst weiß für gewöhnlich nie, wie ich es im Frühling halten soll: Zieh ich den dicken Pullover aus, wird es hundekalt, behalt ́ ich ihn an, so warm, dass ich nach Luft ringe. In einem Jahr habe ich mir mal am 21. März einen Strohut aufgesetzt, bin raus auf Landpartie und kam in einem wilden Platzregen nach Hause, der das Strohgeflecht derart niedermachte, dass es aussah wie ein in Kaffee und Milch eingeweichter Keks von Giulianetti. Im Jahr darauf habe ich dann sogar den Mantel anbehalten und alle meinten, ich würde noch (?galiscioni?) kriegen.
Kurzum, ich weiß nicht, wie ich es halten soll: Wie könnte ich also erwarten, dass Sie sich an meine Ratschläge halten?
Wer weiß, wie das Wetter am Donnerstag wird, wenn der Corriere Elbano herauskommt? ich muss mich für die spöttische Anmerkung zu meinem Januar-Artikel rächen, aber ich möchte nicht, dass sich meine Redaktionskollegen auch diesmal auf meine Kosten lustig machen.
„Wenn ́s an Lichtmess stürmt und schneit“, sagt das alte Sprichwort, „ist der Frühling nicht mehr weit. Gibt es aber Sonnenschein, wird ́s noch ein langer Winter sein.“* Von mir aus komme es wie ́s wolle: Ich riskiere in meinem Leben keine Wettervorhersagen mehr. Ich befürchte, dass es dann, wenn ich schreibe, es wird schönes Wetter geben, in Stömen regnet, während es, wenn ich schlechtes vorhersage, eine Affenhitze gibt. Mein ganzes Leben hat sich zwischen krassesten Widersprüchen abgespielt. Als Kind hatte ich eine Leidenschaft fürs Singen, ich träumte davon, Beniamin Gigli zu werden - und die Natur hat mich mit einer Stimme ausgestattet wie ein erkälteter Trichter. Später träumte ich davon, die Karriere eines Meazza oder Piola zu machen - und konnte noch nichtmal den Ball treffen, weil ich bei meinem ersten und einzigen Versuch ins Gras getreten und mir den rechten Fuss gebrochen hatte. Später bekam ich Lust, Marineoffizier zu werden, aber als ich das erste Mal den Canale di Piombino überquerte, an einem g mit leichtem Seegang, kotze ich mir die Seele aus dem Leib und entschied mich also lieber für die Armee. Mit zwanzig Jahren wurde ich gemustert und wegen Lungendefizienz abgelehnt. Dann aber brach der italienisch-österreichische Krieg aus, und sie nahmen mich trotzdem, um mich den Schützengraben zu schicken, wo ich mir noch einen Rheumatismus abholte. Ich nahm meinen Abschied, kehrte mit dem Rang eines Infanterieobergefreiten nach Hause zurück und hoffte, meinen Arbeitsplatz in dem Büro, wo ich vorher angestellt gewesen war, wieder vorzufinden. Aber man sagte mir, ich hätte kein Recht auf gar nichts, für Dummköpfe sei kein Gesetz geschrieben**. Auf meinem Platz saß eine hübsche Bondine, die ganz groß raus kam. Da hielt ich es für eine gute Idee, in die Politik zu gehen, und wurde Sozialist. Die Faschisten prügelten mich grün und blau. Um nicht noch mehr abzukriegen, trat ich der faschistischen Partei bei und brachte es infolgedessen zum Blockwart. Im Jahr ́43, nach dem 25. Juli, kriegte ich ́s dann ab, weil ich Faschist war, und trat also in die Kommunistische Partei ein. Im September desselben Jahres warfen mir die Republikanischen Faschisten so düstere Blicke zu, dass ich mich bei dieser Partei einschrieb, um meine Ruhe zu haben. Nach April ́45 haute man dann wieder auf mich ein, indem man mir vorwarf, Anhänger der Faschistischen Republik zu sein, und da habe ich gar keiner Partei mehr beitreten wollen. Ich glaube aber, dass die Zeit kommen wird, wo ich das nochmal überarbeiten werde, gerade weil ich für niemanden Partei ergreife.
„Ach ja, sagten wir über Lichtmess! Scheint an Lichtmess die Sonne, wird ́s noch ein langer Winter sein, wenn es regnet, ist der Frühling nicht mehr weit. Ich selbst weiß für gewöhnlich nie, wie ich es im Frühling halten soll: Zieh ich den dicken Pullover aus, wird es hundekalt, behalt ́ ich ihn an, so warm, dass ich nach Luft ringe. In einem Jahr habe ich mir mal am 21. März einen Strohut aufgesetzt, bin raus auf Landpartie und kam in einem wilden Platzregen nach Hause, der das Strohgeflecht derartig niedermachte, dass es aussah wie ein in Kaffee und Milch eingeweichter Keks von Giulianetti. Im Jahr darauf habe ich dann sogar den Mantel anbehalten und alle meinten, ich würde noch „galiscioni/saliscioni“ (?) kriegen.
Kurzum, ich weiß nicht, wie ich es halten soll: Wie könnte ich also erwarten, dass Sie sich an meine Ratschläge halten?
* Deutsche Bauernregeln.
** Sprichwort aus dem deutschen Volksmund.
Elbaworld empfiehlt

Was gibt es zu besuchen
In der Nähe gelegene Ortschaften und Attraktionen zum entdecken.

Empfohlene Ausflüge
Entdecken Sie unglaublich schöne Ausflüge auf der Insel Elba.












